Neues aus unserem Unternehmernetzwerk: Im Interview mit dem gral BeraterTeam berichtet der Steinmetzbetrieb Markus Glöckner Natursteine über die erfolgreiche Implementierung seiner CSR-Strategie

Bei der Implementierung seiner CSR-Strategie haben wir den Steinmetzbetrieb Markus Glöckner Natursteine im Rahmen unserer Strategieberatung (CSR) beratend begleitet.

Nachhaltigkeit und unternehmerische Verantwortung (Corporate Responsibility (CR)) erlangen zunehmender Beachtung und sind bedeutend für die ökologische, soziale und ökonomische Zukunft. Mit ihrem Anspruch „Altes erhalten, neues gestalten“ an ihr Handwerk des Steinmetzberufes zeigt der Steinmetzbetrieb Markus Glöckner Natursteine (MGN) bereits eine Parallele zur Nachhaltigkeitsthematik.

gral BeraterTeam: Hallo Frau Hobler, hallo Herr Glöckner. Ihr Betrieb Markus Glöckner Natursteine ist ein Familienbetrieb in der zweiten Generation. Zu Ihrem Leistungsangebot gehören Restaurierungen, Fassadengestaltungen, Bauen mit Naturstein sowie Grabmale. 2014 haben Sie an dem von der saarländischen Landesregierung initiierten Projekt „Unternehmen für das Saarland - CSR-Kompetenz für saarländische KMU“ teilgenommen. Was heißt für Sie CSR?

MGN: Abstrakt formuliert bedeutet für uns CSR die Rückbesinnung darauf, dass die Wirtschaft in erster Linie den Menschen dient und nicht umgekehrt. Alle müssen von einem Geschäft profitieren, nur dann ist es nachhaltig, nur dann entsteht daraus echter Gewinn. Konkret heißt das:
o  Nicht nur wir, auch unsere ArbeitnehmerInnen verdienen einen angemessenen Lebensunterhalt; sie können sich nach ihren Möglichkeiten einbringen und weiter entwickeln.
o  Die Kunden erhalten ein hochwertiges Produkt zu einem fairen Preis, auch der Lieferant erhält eine auskömmliche Vergütung.
o  Wir achten auf den Schutz der Umwelt: in der Lieferkette, bei der Produktion, bei der Auslieferung.
o  Wir tragen zur Stärkung der Region bei, in der wir leben: indem wir ausbilden, Arbeitsplätze zur Verfügung stellen, ortsansässige Unternehmen beauftragen, ehrenamtliche Tätigkeiten übernehmen.

gral BeraterTeam: Als angesehener und in die Gesellschaft integrierter Steinmetzbetrieb ist Ihnen Ihre unternehmerische Verantwortung im Rahmen der Nachhaltigkeit wichtig. Inwieweit ist dieses Thema neu für Sie?

MGN: Tatsächlich ist weniger das Thema neu als vielmehr die Fokussierung darauf. Als familiengeführter Handwerksbetrieb waren wir seit jeher nah am Kunden und den Mitarbeitenden. Auch der verantwortliche Umgang mit Ressourcen war schon immer aus rein finanziellen Gründen oberstes Gebot.
Dass das Thema neuerdings in der öffentlichen Wahrnehmung einen so hohen Stellenwert genießt, hat uns einerseits überrascht: Mittlerweile scheint die Nachhaltigkeit eines Unternehmens nahezu ebenso wichtig zu sein wie seine Produkte und Dienstleistungen. Andererseits freuen wir uns darüber sehr, wenn bei der Kaufentscheidung außer dem Preis und der Qualität auch eine Rolle spielt, ob das Unternehmen fair, umweltbewusst und menschenfreundlich handelt.

Thema Arbeitsplatz

gral BeraterTeam: Das Handwerk ist eine starke Stütze in der Wirtschaft. Entsprechende Betriebe sind wichtig für die Ausbildung junger Menschen sowie die Rekrutierung von Fachkräften. In Ihrem Unternehmen arbeiten Auszubildende mit erfahrenen und auch älteren Mitarbeitern zusammen. Worin sehen Sie dabei die Nachhaltigkeit für Ihren Betrieb?

MGN:

  1. Das Wissen bleibt erhalten: Die älteren Mitarbeitenden geben ihre Erfahrungen und ihr Fachwissen an die jungen weiter.
  2. Gerade bei uns als Baubetrieb ist wichtig, dass ältere Mitarbeitende körperlich entlastet werden. In gemischten Teams kann man sich die  Aufgaben so aufteilen, dass alle ihren Beitrag leisten können und produktiv sind.
  3. Nach und nach müssen ältere Mitarbeitende auch ersetzt werden, entweder weil sie aus dem Berufsleben ausscheiden oder ihre Arbeit als SteinmetzIn nicht mehr ausüben können. Dies schaffen wir, indem wir kontinuierlich ausbilden und Weiterbildung gewährleisten.

Thema Markt

gral BeraterTeam: Was sind die Herausforderungen eines Steinmetzbetriebes hinsichtlich eines nachhaltigen Wirtschaftens und worin grenzen Sie sich von Mitwettbewerbern ab?

MGN: Der Einfluss eines kleinen Unternehmens ist häufig begrenzt: Gerade bei dem Thema Arbeitsbedingungen in der außereuropäischen Natursteinindustrie, z.B. Indien oder China – einem Thema, das mir sehr am Herzen liegt – haben wir wenig Möglichkeiten uns einzubringen. Es gibt zwar Zertifizierungen zum Ausschluss von Kinderarbeit, diese sind jedoch nicht unumstritten. Einige Kollegen aus dem Verein „Handwerk mit Verantwortung“, in dem wir Mitglied sind, verzichten daher ganz auf die Verarbeitung außereuropäischer Natursteine. Wir tun uns schwer mit dieser Entscheidung: einerseits, weil die Kunden z.B. indische oder afrikanische Materialien nachfragen, andererseits, weil uns völlig klar ist, dass auch in Asien und Afrika Menschen ihren Lebensunterhalt in der Natursteinindustrie verdienen. Dieses Ringen um die „richtige“ Position mit uns selbst und anderen empfinden wir durchaus als Herausforderung.
Wir tun dies offen und öffentlich, z.B. in den Kundengesprächen, in Blogartikeln auf unserer Internetseite oder Beiträgen auf unserer Facebook-Fanpage. Und durch diese Transparenz grenzen wir uns von den Mitbewerbern ab.


Thema Umwelt

gral BeraterTeam: Ausbeutung von Ressourcen, zu hohe Treibhausgase und unsachgemäßer Umgang mit Abfällen sind nur Auszüge einer Auflistung von Faktoren, die sich negativ auf das Ökosystem auswirken. Wie stellen Sie sich diesen Herausforderungen und worin sehen Sie Ihre Stärken?

MGN: Das Thema Umwelt gehört tatsächlich noch nicht zu unseren Stärken. Wir handeln zwar umweltbewusst, trennen den Abfall, verwenden Brauchwasser für unsere Steinsägen, sparen Strom und erzeugen mit einer großen Photovoltaikanlage sogar selber welchen. Aber wir verfügen noch nicht über ein echtes Umweltmanagement-System. Die Notwendigkeit dafür ist uns im Rahmen des Projekts „Unternehmen für das Saarland - CSR-Kompetenz für saarländische KMU“ bewusst geworden. Ein solches System aufzubauen und zu installieren gehört zu den Projekten, die bis zum nächsten Nachhaltigkeitsbericht 2017  abgeschlossen werden.

Thema Region/ Gemeinwesen

gral BeraterTeam: Durch Ihre Arbeit als Restaurateure tragen Sie dazu bei, dass historische Bausubstanzen gesichert und erhalten werden. Somit tragen Sie Sorge, dass die (saarländische) Kulturlandschaft auch nachfolgenden Generationen noch zur Verfügung steht. Damit geben Sie durch Ihre Arbeit aktiv lebbare Nachhaltigkeit an die Region weiter. Wie gestaltet sich darüber hinaus Ihr gesellschaftliches Engagement?

MGN: Wir sind echte Saarländer und somit gut vernetzt in unserer Region und darüber hinaus. Neben der ehrenamtlichen Tätigkeit in verschiedenen Ortsvereinen, denen wir auch regelmäßig Geld- und Sachspenden zukommen lassen, engagieren wir uns auch in den Vorständen der Steinmetzinnung oder des Unternehmerinnenverbandes des saarländischen Handwerks.
Darüber zeigen wir gerne persönlichen, unentgeltlichen Einsatz, sei es als Gastgeber für die Eröffnungsfeier zum Tag des offenen Denkmals, als Ausstellervertreter bei der Neunkircher Messe oder als Jurymitglied beim Saarländischen Denkmalpflegepreis.

Zukunftsaussichten

gral BeraterTeam: 2015 haben Sie Ihren ersten Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht. Die Prozesse für die Implementierung einer CSR-Strategie in Ihrem Unternehmen sind somit dokumentiert. Welche weiteren Schritte planen Sie für das Jahr 2016?

MGN: Bereits umgesetzt haben wir Schulungsmaßnahmen im Bereich Arbeitssicherheit und Gesundheit. So haben nun gut zwei Drittel der Belegschaft eine Ausbildung zum Ersthelfer. Auch Weiterbildungsangebote (intern wie extern) sind schon angelaufen bzw. werden sich über das Jahr verteilt noch fortsetzen. Besonders erfreulich entwickeln sich die Seminare, in denen Mitarbeitende ihre KollegInnen schulen. Dieses Konzept werden wir in jedem Fall weiter entwickeln, genauso wie die „Schulungstage zum Jahresanfang“.

Natürlich planen wir in übrigen Handlungsfeldern unsere Weiterentwicklung:

  • Wir wollen unsere Kundenbeziehungen weiter stärken und deshalb u.a. ein Beschwerdemanagementsystem aufbauen, Kundenfeedback systematisch erfassen und Informationen für unsere Kunden aufbereiten und zur Verfügung stellen.
  • Unser gesellschaftliches Engagement soll fortgeführt werden: Gerade die Zusammenarbeit mit Schulen wollen wir verstetigen und gezielt mit saarländischen Initiativen wie z.B. „anschluss direkt“ zusammenarbeiten.
  • Der Aufbau eines Umweltmanagement-Systems steht auf der Agenda. Durch dieses werden wir die Zuständigkeiten, Verhaltensweisen, Abläufe und Vorgaben zur Umsetzung einer betrieblichen Umweltpolitik erarbeiten und umsetzen.
  • Wir arbeiten mit dem gesamten Team in einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess an unseren innerbetrieblichen Strukturen und Abläufen. Diese werden nach und nach in Prozessbeschreibungen dokumentiert.
  • Nicht zuletzt beschäftigen wir uns nach wie vor intensiv mit dem Thema Kinderarbeit in der außereuropäischen Natursteinindustrie.


gral BeraterTeam: Worin sehen Sie Vorteile für einen Handwerksbetrieb, sich für CSR stark zu machen?

MGN: Wenn man das Thema CSR ernst nimmt, bestimmt es die Unternehmensstrategie und generiert eine Struktur, mit der man in allen Handlungsfeldern Transparenz und Entwicklungsmöglichkeiten schafft. Wie viele Maßnahmen man sich im Jahr zur Umsetzung vornimmt, hängt von der Unternehmensgröße ab, und man entscheidet darüber schlussendlich ja auch selbst. Ist diese Struktur aber erst einmal etabliert, sind Aufgaben und Zuständigkeiten klar definiert, dann lässt sich vieles endlich delegieren. Ich glaube sogar, dass es für die Unternehmensnachfolge – egal ob von innerhalb oder außerhalb der Firma – große Vorteile bringt, denn der Betrieb ist einfach gut aufgestellt. Nicht zuletzt birgt CSR eine Vielzahl von Möglichkeiten für die interne und externe Kommunikation – mit Kunden, Banken und (potentiellen) Mitarbeitenden – nach dem Motto: Tue Gutes und rede auch darüber.


gral BeraterTeam: Was möchten Sie anderen Unternehmen, die vor der Entscheidung stehen ihre unternehmerische Verantwortung systematisch zu erfassen, mit auf den Weg geben?

MGN: Meines Erachtens ist es wichtig, sich einerseits wirklich jedem Handlungsfeld zu widmen und sich andererseits nicht zu viel gleichzeitig vorzunehmen. Dieser Ratschlag liest sich nur auf den ersten Blick widersprüchlich: Erst wenn man sich in allen Bereichen einen Überblick verschafft hat, kann man bestimmen, wo die für mein Unternehmen aktuell wesentlichen Punkte liegen und wo Handlungsbedarf besteht. Das können unter Umständen wirklich viele sein. Und dann ist es eben wichtig, eine Auswahl zu treffen, Maßnahmen zu planen, umzusetzen und sich anschließend neuen Punkten zuzuwenden.
Als unumgänglich empfinde ich die Dokumentation der Maßnahmen in irgendeiner Form, um den Überblick zu behalten und sich die eigene Weiterentwicklung auch mal vor Augen zu halten. Wenn man diese Entwicklung so wie wir in einem Nachhaltigkeitsbericht festhält, kann man diesen sehr gut in der Kommunikation mit Kunden, Banken und anderen Geschäftspartnern nutzen.
Dass wir mit dem gral-BeraterTeam Unterstützung durch externe Berater hatten und haben, hat uns übrigens unheimlich viel geholfen. Wir sind zwar ein großer Steinmetzbetrieb, aber dennoch ein kleines Unternehmen, in dem ich mich um deutlich mehr als unsere CSR-Aktivitäten kümmern muss. Hier haben die gral-Berater bei der Projektstrukturierung und auch bei der Dokumentation sehr viel Vorarbeit geleistet.


Beratend begleitet wurde die Entwicklung und Umsetzung der CSR-Strategie durch Sandra Katmann und Dr. Anke Diederichsen vom gral BeraterTeam. Seit 2014 berät das gral BeraterTeam Unternehmen hinsichtlich CSR und war am Projekt „Unternehmen für das Saarland - CSR-Kompetenz für saarländische KMU“, das von der saarländischen Landesregierung initiiert und durchgeführt wird, beteiligt. Das gral BeraterTeam hält zudem Workshops zum Thema CSR in denen dieses Thema an interessierte UnternehmerInnen weitergegeben wird.


Für das erfolgreiche Vorantreiben ihrer CSR Strategie wünscht das gral BeraterTeam dem Steinmetzbetrieb Markus Glöckner Natursteine alles Gute und weiterhin viel Erfolg.

 

Kontakt:

Markus Glöckner Natursteine
Schachenweg 11
66540 Neunkirchen Hangard

Telefon: 06821 – 52580
E-mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

http://www.natursteine-gloeckner.de/